Bogenjagdschein – Die älteste Jagdmethode der Welt in 5 Schritten erklärt

BogenjagdscheinDas Bogenschießen ist in Deutschland nur unter bestimmten Bedingungen als Sport zugelassen. In Bezug auf die Jagd ist diese archaische Waffe aber verboten. Trotzdem listen wir einige Bogenjagdkurse im Angebot. Der Grund: In vielen Ländern der Erde darf Wild mit dem Bogen gejagt werden. Unter welchen Bedingungen die Bogenjagd in einem Reiseland erlaubt ist, ist vor der Jagdreise zu ermitteln.

Man sollte seine Waffe aus dem „Effeff“ beherrschen und seine jagdliche Berechtigung durch das Absolvieren eines Bogenjagdkurses nachweisen können. Der Bogenjagdschein bestätigt nicht nur die Kursteilnahme, sondern vor allem die Qualifikation, mit Pfeil und Bogen waidgerecht umgehen zu können.

Als Branchenbuch für Jäger, die häufig auch Jagdreisen buchen, fühlen wir uns verpflichtet, auch in diesem Bereich der Jagd nützliche Adressen weiterzugeben. Immerhin ist die Jagd mit dem Bogen die erste Jagdmethode, die Menschen ausgeführt haben. Viele Völker haben dabei Meister ihres Faches hervorgebracht, zum Beispiel die Indianer oder Mongolenvölker. Die Jäger kommen mit dem Bogen sehr nah an das bejagte Wild heran. Sie müssen wegen der dadurch drohenden Gefahr auf Großwild präzise schießen können und können ihre Jagdbeute nach entsprechender Schulung per Kurzdistanzschuss töten. Je nach bejagter Wildart ist Einzel- oder Gruppenjagd sinnvoll.

Wo darf mit Pfeil und Bogen gejagt werden, wo nicht?

In den Ländern Deutschland und Österreich, in der Schweiz, Großbritannien und Irland, in Island, Griechenland sowie Rumänien wird die Jagd mit dem Bogen per Gesetz untersagt. In zahlreichen afrikanischen Ländern bräuchte man keinen Bogenjagdschein. Trotzdem kann es dazu Vorschriften geben. Ungarn, Spanien, Finnland oder Kanada erlauben diese Jagdform. In Dänemark ist die Bogenjagd zwar für Deutsche erlaubt, aber die Jäger müssen einen deutschen Jagdschein und den dänischen (!) Bogenjagdschein besitzen. Gegner und Befürworter dieser Blankwaffen-Jagdmethode stehen sich weiterhin unversöhnlich gegenüber. Doch der Gesetzgeber ist nicht überall überzeugt, dass diese Jagdmethode waidgerecht ist. Aus Sicht von Tierschützern führen Fehlschüsse oder Knochenabpraller oft zu einem qualvollen Verenden des verwundeten Wildes. Dies gilt insbesondere, wenn Wilderer ohne vertiefte Kenntnisse dieser Jagdmethode einem Stück Wild nachstellen.

Gegen die Bejagung von Wild spricht aus Sicht der Gesetzgeber außerdem, dass diese Jagdmethode nur bei Kurzdistanzschüssen überhaupt infrage kommt. Dänemark hat die Bogenjagd trotzdem per Gesetz erlaubt. Hier konnte der Gersetzgeber davon überzeugt werden, dass die Bogenjagd bei entsprechenden Kenntnissen weniger Schmerzen für das bejagte Wild bedeuten kann und weniger großflächige Verletzungen auslöst. Um das zu gewährleisten, muss man eine gute Ausbildung mit Pfeil und Bogen absolviert haben. Der Bogenjagdschein garantiert, dass man diese Kenntnisse erworben hat.

Welche Voraussetzungen gibt es für die Bogenjagd?

Bogenjagdschein

Der „Deutsche Bogenjagdverband e. V.“ nennt die Voraussetzungen für die Bogenjagd in seiner Prüfungsordnung. Die Prüfung für den Bogenjagdschein ist in einen theoretischen und einen praktischen Teil unterteilt. Der Theorieteil umfasst die Beantwortung von 45 Fragen zur Bogenjagd. Die Themenbereiche umfassen

– ethische Verhaltensweisen und Waidgerechtigkeit
– technische Voraussetzungen, Kenntnisse in Ballistik, Anatomie und Gerätekunde
– rechtliche Bedingungen im europäischen In – und Ausland
– korrektes Verhalten bei Notsituationen

Die praktische Prüfung überprüft die Kenntnisse über die verschiedenen Bogentypen, deren Aufbau und Funktionsweise. Die Einweisung und Prüfung in die Handhabung und Wirkung von Pfeil und Bogen sowie die Anforderungen an die Qualität und Art der Ausrüstung für die Bogenjagd werden ebenfalls überprüft. Sie gewährleisten die Sicherheit der Jagenden wie der Spaziergänger, die ahnungslos Waldgebiete durchstreifen. Ohne die Theorieprüfung zu bestehen, darf man nicht an der praktischen Prüfung für den Bogenjagdschein teilnehmen.

Wie sieht die Prüfung zum Bogenjagdschein aus?

Der „Deutsche Bogenjagdverband e. V.“ ist von der „European Bowhunting Association“ anerkannt. Die Prüfungsordnung des Verbandes findet auch beim „Bowhunter Education“-Lehrgang Anwendung. Die angebotenen Bogenjagdprüfungen haben internationalen Standard. Wichtig ist, dass der BDJV die Ausbilder und Schulungszentren, die den Bogenjagdschein anbieten, anerkannt haben muss. Mindestens zwei ehrenamtliche Prüfer müssen der Prüfungskommission angehören. Bei der Schießprüfung muss der Prüfling

– einen Pfeil aus rechtwinkligem Schusswinkel auf eine Rehscheibe setzen
– vier Pfeile aus 15-20 Metern Distanz und bei rechtwinkligem Schusswinkel auf eine Rehscheibe setzen
– und einen Pfeil aus 20-25 Metern Distanz auf eine Rehscheibe abschießen.

Dabei müssen mindestens 5 Treffer in den vorgegebenen Zonen landen, um die Prüfung zu bestehen. Nur der Typ des Bogens, der bei der Bogenjagdprüfung genutzt wird, darf später bei der Bogenjagd verwendet werden. Für jeden anderen Bogentypus müsste man einen eigenen Bogenjagdschein ablegen. Auch für die verwendeten Pfeile gibt es spezielle Vorgaben. Ohne einen zuvor erworbenen Jagdschein kann man die Bogenjagdprüfung nicht ablegen. Außerdem muss man eine Haftpflichtversicherung vorweisen können. Minderjährige Prüflinge müssen eine Einwilligung vom gesetzlichen Vertreter mitbringen.

Das damit erzielte Prüfungszeugnis gilt nur fünf Jahre vom Ausstellungstermin an. Anschließend ist die Bogenschießprüfung nochmals abzulegen. Dies umfasst aber nur den Praxisteil. Die Kosten für eine Bogenschießprüfung sind je nach Ausbildungsort und dort genannten Bedingungen verschieden hoch. In der Kleingruppe ist der Preis günstiger. Manche Schulen bilden nur am Compoundbogen aus. Am besten erfragen Sie die aktuellen Preise für Kursangebote direkt beim Anbieter. Die Adressen dazu finden Sie auf unserer Webseite.

Mit welchem Bogen geht man zur Jagd?

Die moderne Bogenjagd kann zwar mit verschiedenen Bögen durchgeführt werden. Üblich und weit verbreitet ist aber der moderne Compound-Bogen. Generell unterscheidet man einfache Bögen vom Langbogen, dem Recurve- oder Reflexbogen, dem schon erwähnten Compoundbogen und dem Kyūdō-Bogen. In Größe und Materialwahl können die genannten Bogentypen unterschiedlich ausfallen. Der Compoundbogen ist vom Aufbau her der komplexeste Bogentyp. Man kann ihn schon durch die sogenannten „Cams“ – so nennt man die Rollen an den Bogenenden – von anderen Bogentypen unterscheiden. Je nachdem, welche Form sie haben, zeigt der Bogen verschiedene Verhaltensweisen beim Ansprechen der Sehne. Compoundbögen gelten als besonders sicher und präzise. Sie werden daher bei der Bogenjagd bevorzugt. Da viele Bogenschützen einen ungeeigneten Jagdbogen kaufen, ist gute Beratung bei einem Fachmann unerlässlich. Einsteiger-Sets mit Pfeilen können Sie bereits für etwa 150 Euro erhalten. Da aber die Jagdordnung bestimmte Pfeile vorsieht und man nicht ohne fachkundige Anleitung damit üben sollte, empfiehlt sich ein Kurs. Beim Compund-Schießen ist einiges zu beachten. Von der richtigen Körperhaltung bis zum Anvisieren des Wildes muss alles stimmen. Vor allem die Energie des abgeschossenen Pfeiles sollte man richtig einschätzen können.