Falknerschein & Falknerei

Falknerei – Über die Arbeit mit Greifvögeln

Unter dem Begriff Falknerei kann man die private oder berufsmäßige Haltung eines Falken zum Zwecke der Beizjagd verstehen. Falknerei kann aber auch den Betrieb eines Unternehmens meinen, das sich mit Falkenzucht und -haltung sowie der Ausbildung von Falknern beschäftigt. Die Arbeit mit einem Greifvogel ist komplex. Sie verlangt vor allem, dass der Vogel sich vertrauensvoll an seinen Herrn bindet. Ohne entsprechende Konditionierung kehrt er nicht von der Beizjagd zurück. Der Falkner benötigt viel Fingerspitzengefühl, um erfolgreich mit seinem Tier zu arbeiten. Ist das Tier einmal auf ihn konditioniert, kann es nicht mehr ohne Weiteres bei einem anderen Halter unterkommen. Der Halter des Greifvogels hat somit eine hohe und lebenslange Verantwortung. Turmfalken können immerhin ein Alter von 15, Wanderfalken ein Maximalalter von 18 Jahren erreichen.

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Welche Vögel werden in der Falknerei verwendet?

Interessant ist, dass ein deutscher Falkner nur höchstens zwei heimische Greife halten darf. Er darf allerdings eine unbegrenzte Anzahl nicht heimischer Greifvögel halten. Auch wenn man vermuten könnte, es werde nur mit Falken gearbeitet, ist das nicht korrekt. Falkner arbeiten häufig auch mit anderen Greifvögeln. Man muss aber unterscheiden. Die Beizjagd auf Vögel wie Enten oder Ähnliches wird weitgehend mit Falken durchgeführt, Schauveranstaltungen aber auch mit anderen Greifen. Das Problem bei der Beizjagd ist, dass man einen Greifvogel nicht auf andere Beute ansetzen kann als jene, die er ohnehin jagen würde. Greifvögel sind sehr spezialisierte Jäger der Lüfte, die man nur schwer auf andere als die gewohnte Beute ansetzen kann. Ein Wanderfalke würde von Natur aus niemals ein am Boden hockendes Kaninchen auf’s Korn nehmen. Er jagt nur bewegliche Beute. Die Größe der Beute ist für Greifvögel nicht so entscheidend. Gegebenenfalls tötet der Vogel eine große Beute nicht, sondern ergreift sie nur.

Falkner arbeiten mit allen falkenartigen Vögeln, zum Beispiel:

  • Gerfalken
  • Lannerfalken
  • Sakerfalken
  • oder Wanderfalken

Dazu kommen die habichtartigen Greifvögel, also beispielsweise der Habicht, der Sperber, der Wüstenbussard oder der Steinadler. Außerdem können Rotschwanzbussarde oder Königsbussarde zum Einsatz kommen. Verboten ist in Deutschland die Verwendung von Eulenvögeln. Österreich und einige weitere Länder erlauben hingegen die Nutzung solcher Vögel zur Beizjagd.

Welchen Ursprung hat die Falknerei?

Die Falknerei kann auf eine jahrtausendealte Tradition zurückblicken. Die Reitervölker in den zentralasiatischen Steppen – vorrangig die Mongolen – benutzten bereits Falken zur Jagd. Die speziell abgerichteten Greifvögel boten in den endlosen Steppen, wo man als Jäger nicht in Deckung gehen konnte, einen Vorteil. Marco Polo berichtete von einer sagenhaften Zahl von 10.000 Falknern, mit denen der Mongolenfürst Kublai Khan einst zum Jagdvergnügen aufgebrochen sei. Die Zahl dürfte zu hoch gegriffen sein. Sie weist jedoch darauf hin, dass es in der Mongolei zu dieser Zeit wohl zahllose Falkner gab.

Die kirgisischen Steppenvölker nutzten gerne Steinadler zur Jagd. Bei den alten Ägyptern wurden möglicherweise vereinzelt Falken gehalten. Darauf weisen jedenfalls mehrere sorgsam einbalsamierte Tierkadaver und intakte Falkeneier in einem Grab in Abydos hin. Immerhin wurde der ägyptische Gott Horus als Falke dargestellt. Daher darf man annehmen, dass es auch hier eine Verbindung zur Falknerei gab. Auch ein antikes assyrisches Relief in Khorsabad weist auf solche Verbindungen hin. Selbst in der Odyssee findet man Hinweise darauf, dass die Falknerei oder ihre Vorläuferformen bereits früh in verschiedenen Ländern der Erde existent waren. So erwähnte beispielsweise der Grieche Aristoteles vierhundert Jahre vor Christi Geburt, dass er bei Thrakern oder Indern die Falknerei beobachtet habe. Später beschreibt auch Plinius von Beizjagden bei den Thrakern. Bei den Römern hingegen gibt es zu dieser Zeit noch keine Belege für die Falknerei. Sie jagten damals noch Vögel mit primitiven Methoden wie Wurfhölzern, mit Leim bestrichenen Ruten oder Schlagnetzen.

Die Kenntnisse über die Falknerei verbreiteten sich in den Jahrhunderten nach Christi Geburt über den gesamten Erdball. Goten und Germanen, Kelten und Averner nutzen Falken zur Jagd. Völkerwanderungen waren an der Verbreitung der Falknerei beteiligt. Menschen wie der deutsche Kaiser Friedrich II. befassten sich in Form von selbst verfassten Büchern mit dem Thema. Auf ihn geht auch die Einführung der Falkenhaube in unseren Breiten zurück. Vor allem in Fürstenhäusern konnte man sich den Luxus leisten, Falken zu halten. Eine der größten europäischen Falknereien fand man beispielsweise im 18. Jahrhundert bei Karl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach. Bis heute ist die Falknerei in den Vereinigten Arabischen Emiraten bedeutungsvoll.

Wie funktioniert die Falknerei?

Um die Falknerei zu betreiben, benötigt man zunächst entsprechende Sachkundenachweise, respektive eine fundierte Ausbildung. Diese muss für die Berechtigung zur Beizjagd einen Jagdschein beinhalten. Um einen oder zwei Falken zu halten, benötigt man entsprechende Vogelvolieren, muss eine artgerechte Fütterung leisten und den Vogel täglich trainieren. Er muss aus einer Zucht stammen, da das Entnehmen aus der Natur bereits zur Dezimierung der Greifvögel geführt hatte. Übungswerkzeuge für das Training bzw. das Zähmen eines Greifvogels sind das sogenannte Federspiel und eine Beuteattrappe, die einem Kaninchenbalg ähnelt. Die Konditionierung auf Signale des Halters ist die Grundvoraussetzung dafür, dass der Falke zu diesem zurückkehrt. Sobald der Vogel genügend trainiert ist, braucht er mehrere Freiflüge in der Woche, um selbst auf Beutezug gehen zu können.

Die Falknerei wird oft als Hobby betrieben. Man muss sich ihr jedoch mit Leib und Seele verschreiben. Denn einen auf den Halter konditionierten Greifvogel kann man nicht einfach an jemand anderen übergeben, wenn man in Urlaub fahren möchte. In der Realität bedeutet die Falknerei völlige Hingabe an den Vogel und seine Lebensnotwendigkeiten. Der Vogel wird nur mit dem Menschen harmonieren, wenn dieser seine natürlichen Bedürfnisse weitmöglich erfüllt. Dazu zählen beispielsweise die großräumige Voliere, die regelmäßige Frischfleisch-Versorgung mit dem Jagdgut, welches das Tier in der freien Natur bevorzugt oder die regelmäßigen Flugmöglichkeiten in einem Waldgebiet. Dafür braucht es einen Begehungsschein, eine eigene Jagdpacht oder eine Jagderlaubnis. Falken und andere Greife sind anspruchsvoll in der Haltung. Der Falkner hat eine hohe Verantwortung für seine Vögel.

Die Ausbildung zum Falkner

Die meisten Falkner sind dies nicht haupt-, sondern nebenberuflich. Falkner kann theoretisch jeder werden, der eine entsprechende Ausbildung absolviert hat. Wie praxisbezogen und umfassend diese ist, ist verschieden. Ein Falkner ist man, wenn man im Anschluss an eine Ausbildung regelmäßig mit Greifvögeln arbeitet und diese trainiert. Das muss nicht ausschließlich zu Jagdzwecken geschehen. Falkner veranstalten gelegentlich auch Flugvorführungen an Schulen oder in Freilichtmuseen. Flughäfen engagieren Falkner, um den begrünten Flugfeldrand frei von Vogelschwärmen zu halten. Auch technische Anlagen bedürfen teilweise des Schutzes durch die Anwarte-Falknerei. Nistende Vögel können Lüftungsrohre oder Schornsteine verstopfen. Auffliegende Vögel können Flugzeugtriebwerke so beschädigen, dass die Maschine abstürzt. Zum Teil verwenden Stadtjäger Falken in Wohngebieten. Man kann bei solchen Tätigkeiten durchaus Geld verdienen. Doch in der Regel übersteigen die möglichen Verdienste die Investitionen, die man für die Falknerei tätigen muss.

Wer Interesse an einem Falknerschein hat, schaut am besten in unserem Branchenbuch nach den besten Ausbildungsstätten.

Wie viele Falkner gibt es in Deutschland?

Derzeit geht man von etwa 2.000 aktiven Falknern in Deutschland aus. Die meisten sind entweder in einem der drei großen Falknerverbände organisiert oder gehören einem kleinen Verband an. Der älteste Verband ist der 1923 gegründete „Deutscher Falkenorden„, der mit seiner Gründung die Falknerei in Deutschland etabliert hat. Ihm folgte 1959 der „Orden Deutscher Falkoniere„. Der jüngste Falknerverband nennt sich der „Verband Deutscher Falkner“. Er entstand ursprünglich, um Falkner in der ehemaligen DDR zusammenzuschließen. Heute hat dieser Falknerverband auch Niederlassungen in den alten Bundesländern. Die deutschen Falknerverbände sind in der „International Association for Falconry and Conservation of Birds of Prey“, kurz IAF zusammengeschlossen.

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